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“Was geht?” hat zum Träumen und Fantasieren eingeladen: Nach welchen Geräuschen soll mein Kiez klingen? Was wäre, wenn mein Kiez das neue Mitte Berlins ist? Und wie würde es aussehen, wenn hier ein Dschungel wachsen würde? Diese Fragen klingen zunächst abwegig, kitzeln aber heraus, was uns in der Stadt und im Alltag wichtig ist. Sie machen Spaß und schaffen neue Eindrücke.

 

Dafür waren drei Künstler:innen-Teams in drei Berliner Kiezen im November und Dezember 2021 unterwegs. Im Januar 2022 fand eine Ausstellung im Haus der Statistik statt, die ausgehend von den künsterlisch-partizipativen Projekten zuvor alle Menschen eingeladen hat, die Zukunft der Stadt fantasievoll zu denken. Besucher:innen konnten in Interaktion mit verschiedenen Installationen treten und so selbst neue Perspektiven auf die Stadt gewinnen. Die Ausstellung hat auch gezeigt, was eigentlich in Tegel-Süd, Marzahn-Nordwest und im Ostseeviertel in Hohenschönhausen geht.

Drei Ansätze in drei Kiezen

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Die Grundidee

Unter dem Motto “Was geht? Visionen von Zukunft und Gegenwart” haben wir uns mit Fragen von Zukunft, Kunst und Beteiligung beschäftigt. Die Grundidee ist, dass durch künstlerische Formate, die im öffentlichen Raum partizipativ stattfinden, allen Menschen ein einfacher und spielerischer Zugang ermöglicht wird, neue Sichtweisen auf ihren Kiez einzunehmen. Diese Sichtweisen können geprägt sein von Fantasie und Utopie oder von konkreten Wünschen an die gebaute Stadt und die Gemeinschaft. In jedem Falle sind die unbefangenen Gedanken über persönliche Wünsche und Vorstellungen der Ausgangspunkt. 

 

Zu fragen, was in der Zukunft sein kann, bietet einerseits die Möglichkeit, sich eine dringend nötige Spielstraße oder einen abenteuerlichen Vulkan in der Nachbarschaft zu wünschen. Andererseits ermöglicht die Frage nach der Zukunft, zu erkennen, wie Menschen die Gegenwart wahrnehmen. Denn unsere Vorstellungen von der Zukunft sind eng geknüpft an unsere jeweilige Lebenssituationen und darin eingewobene Ideen, wie Gesellschaft funktioniert und funktionieren soll. Die Frage nach der Zukunft wird so zur Methode: das weit Entfernte kann oftmals einfacher ausgedrückt werden, als das Konkrete. Im Gegensatz dazu sind utopische Ideen nicht immer mit der Frage verbunden, wie diese umgesetzt werden können. Hingegen regen sie die Fantasie an und laden zum Träumen ein.

 

Zukunftsorientierte Gestaltung muss als Debatte in der Öffentlichkeit stattfinden. Sie soll nicht in abgeschirmten Räumen stattfinden, zu deren Eintritt Hürden genommen werden müssen. Die Durchführung partizipativer Methoden auf der Straße – oder auf Marktplätzen, in Parks und vor Bahnhöfen – bieten hingegen einen entscheidenden Vorteil – jede:r kommt vorbei und jede:r ist eingeladen. Das ist insbesondere in Zeiten der Corona-Pandemie wichtig, in denen Distanz in vielen Formen zugenommen hat. Im besten Falle wird die Selbst-Ermächtigung jeder:s Einzelnen gefördert, was zusammen mit vielen anderen kleinen Momenten dazu führen kann, die Stadt von unten zu gestalten.

 

Im Gegensatz zu klassischen Methoden von Partizipation, die zunehmend geprägt sind von vorher festgelegten Strukturen und spezifisches Wissen voraussetzen, bietet Kunst einen anderen Zugang: einen ästhetischen und emotionalen Zugang, der für jede Person möglich ist. Ähnlich wie Gemälde in Museen oder Graffiti an Hauswänden generieren sie Aufmerksamkeit, Ästhetik und neue Blickwinkel. Statt sich mittels Fragebogen und Stift zu erkundigen, wie die Zukunft aussehen kann, schaffen künstlerisch-partizipative Methoden sinnliche, spielerische und damit oft direktere Zugänge. Sie geben einen niedrigschwelligen Anstoß und laden ein, einfach zu machen. Sie lassen staunen, provozieren Fragen oder laden explizit ein, sie umzugestalten. Dies kann in Austausch mit Freund:innen, den Künstler:innen oder auch ganz für sich alleine geschehen. Je nach Methode können sie auch über die visuelle Ebene hinausgehen und Erfahrungen anderer oftmals vernachlässigter aber zentraler Sinne ermöglichen. Gleichzeitig bieten künstlerisch-partizipative Methoden die Chance auf eine spezifische Erinnerung an die jeweilige Fragestellung, einen Eindruck der verbleibt und mit in den Alltag genommen wird. 

 

Der Anspruch von “Was geht? Visionen von Zukunft und Gegenwart” bestand darin, einen Rahmen zu schaffen, in dem Projekte zwischen Zukunft, Kunst und Beteiligung umgesetzt werden können. Dafür haben wir im Oktober 2021 Künstler:innen über eine öffentliche Ausschreibung ausgewählt: Im November und Dezember waren Selbstgebaute Musik in Tegel-Süd, Offener Kanal Europa im Ostseeviertel in Hohenschönhausen und Rurbane Realitäten in Marzahn-Nordwest unterwegs. Diese Projekte bestanden aus jeweils zwei Phasen: In der ersten wurde an unterschiedlichen Orten in den Kiezen Erfahrungen, Meinungen und lokales Wissen gewonnen, bevor dieses anschließend bei einer zentralen Abschlussveranstaltung sichtbar und erfahrbar gemacht wurde.

 

Jeweils unterschiedlich haben die Projekte während dieses Ablaufes staunen lassen und provoziert. Unterschiedlich haben sie verschiedene Menschen auf eine niedrigschwellige Art erreicht und ihren Kiez aus einem besonderen Winkel sehen lassen. Nach deren Durchführung bleiben verschiedene Formate wie Postkarten und Radio-Jingles zurück, erinnern und inspirieren. 

Kontakt

Aline Haulsen, Max Söding

info@rand-bedingungen.org
Instagram: randbedingungen

Das Projekt "Was geht? Visionen von Zukunft und Gegenwart" wurde kuratiert und durchgeführt von Aline Haulsen und Max Söding. Es ist Teil der Initiative DRAUSSENSTADT und wurde gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa sowie der Stiftung für Kulturelle Weiterbildung und Kulturberatung.

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Wir danken allen Künstler:innen für die Umsetzung der Projekte: Nelli Fritzler und Anna Holzinger von Rurbane Realitäten, Sascha Schneider, Hajo Toppius, Lea Groenholdt, Manuel Strube und Matthias Kremsreiter von Selbstgebaute Musik, Nora Spiekermann und Margarete Kiss von Offener Kanal Europa. Wir danken Max Linnenschmidt und Max Maurer von Waschbeton für die Gestaltung von Ausstellungsarchitekturen und Max Linnenschmidt für die Ko-Kuration der Ausstellung im Haus der Statistik. Wir danken Saskia Egetenmeier und Sonja Kotlyar für ihre grafische Arbeit und Raquel Gomez für ihre fotografische Dokumentation. Wir danken zudem für die Unterstützung von Silke Jensen von Gewobag in Tegel-Süd, Thomas Stange von Platte machen! und dem Team vom 360 Grad in Hohenschönhausen sowie Marina Bikádi (Kulturhochhaus), Oleksandra Bienert (Quartiersbüro) und Susanne Gontard aus Marzahn-Nordwest. Wir danken dem Team des Haus der Statistik für die Nutzung der Ausstellungsräume und die Unterstützungen drumherum. Nicht zuletzt geht ein Dank an Dariya Kryshen, die an der Konzeption des Projekts beteiligt war und es mit der Bereitstellung von zentralen Infrastrukturen erst ermöglicht hat.